Trotz der Zeitumstellung auf die Sommerzeit lief im Kinder- und Jugenddorf Silz alles nach Plan: Punkt 11.30 Uhr rollte der Zirkus-LKW aus Leverkusen an – beladen mit jeder Menge Magie und einer bunten Truppe engagierter Zirkuspädagoginnen und -pädagogen. Mit an Bord waren auch Zirkuschef Paul, Peter und Hund Titu. Kurz darauf trafen auch Robin, der Luftakrobat, und Lilli ein.
Was folgte, war der Auftakt zu einer außergewöhnlichen Projektwoche. Hinter den Artistinnen und Artisten verbergen sich im „echten Leben“ Menschen mit ganz unterschiedlichen Berufen – vom Schreiner über eine zukünftige Lokomotivführerin und Heilpädagogen bis hin zum Masterstudenten im IT-Bereich. Sie alle eint die Leidenschaft für den Zirkus und der Wunsch, diese Begeisterung weiterzugeben.
Kraftakt beim Zeltaufbau
Pünktlich um 12 Uhr begann der Aufbau des großen Zirkuszeltes. Schnell wurde klar: Die geplanten 15 Helferinnen und Helfer waren eigentlich die Mindestbesetzung – und die Herausforderung entsprechend groß. Ein besonderer Dank gilt den Männern des Round Table 64 Südpfalz. Nach einem Spendenevent hatten sie sich für ein „Hands-on“-Projekt entschieden, das zunächst als leicht eingeschätzt wurde, sich jedoch dann als echter Kraftakt entpuppte. Fünf Stunden lang wurde geschleppt, verankert und aufgebaut – mit vollem Einsatz, von Anfang bis Ende. Was andernorts oft mit deutlich mehr Personal gestemmt wird, gelang hier mit nur 15 engagierten Helfern. Eine Leistung, die großen Respekt und Dank verdient.
Manege frei für die Kinder
Ab dem ersten Montag der Osterferien gehörte das Zelt dann ganz den Kindern und Jugendlichen. Nach einem gemeinsamen Warm-Up präsentierten 18 „Teamer“ des pädagogischen Personals mit zwei Jugendlichen der Außenwohngruppe – die sich bereits Wochen zuvor in einer Fortbildung mit Zirkusdidaktik und -methodik vertraut gemacht hatten – den Kindern und Jugendlichen eine erste Show. Hinter dem Vorhang herrschte laute Aufregung, spontanes Agieren war gefragt. Die Unterstützung durch Applaus und Bewunderung von den Kindern und Jugendlichen war „ihren“ Alltagsbegleiterinnen und Begleitern sicher.
Im Anschluss durften sich alle selbst ausprobieren. Ob Trapez, Jonglage, Zauberei, Clownerie, als Fakir oder Feuerkünstler – jedes Kind wählte im Laufe des ersten Tages zwei Genres, in denen es sich versuchen wollte. Besonders Robin begeisterte mit seinem Angebot, einem Tuch an dem man durch das Zirkuszelt fliegen konnte.
Üben, staunen, über sich hinauswachsen
In den folgenden zwei Tagen wurde in kurzen Frequenzen intensiv geprobt. Das Kinderdorf war erfüllt von lebendigem Trubel, Aufregung und spürbarer Begeisterung. Immer wieder zeigte das Zirkusteam beim Zusammentreffen eigene Kunststücke: Paul jonglierte fünf Stühle auf der Nase, Robin erklomm scheinbar mühelos die Zeltdecke …
Schnell wurden die Zirkuspädagoginnen und -pädagogen zu Bezugspersonen. Die Kinder hörten aufmerksam zu, nahmen Tipps an, trauten sich, zeigten Ausdauer. Auch für das pädagogische Team des Kinderdorfs war das Projekt eine besondere Erfahrung – herausfordernd, intensiv und fernab des gewohnten Alltags. Am Ende waren sich alle einig: Der Einsatz hat sich gelohnt und viele neue Impulse und Erfahrungen gebracht.
Große Show vor vollem Haus
Am letzten Projekttag stand die Vorbereitung der Abschlussvorstellung im Mittelpunkt. Die anfängliche Sorge der Hauptorganisatorinnen Yvonne Frey und Katrin Stengel aus dem Leitungsteam, dass zu wenige Zuschauerinnen und Zuschauer für die Kinder und Jugendlichen kommen könnten, erwies sich als unbegründet: Rund 300 Gäste füllten das Zelt bis auf den letzten Platz.
Mit Licht, Musik, Effekten, Kostümen und jeder Menge Überzeugung präsentierten die Kinder eine beeindruckende Show. Popcorn, Süßigkeiten und Limonade sorgten für echtes Zirkusflair. Diese Vorbereitungen übernahmen die Älteren der Einrichtung, welche aus der Außenwohngruppe in Landau anreisten, um zu unterstützen. Auch das Wetter spielte mit – nachdem das Organisationsteam zum Projektbeginn noch gegen Kälte, Regen und viel Matsch mit praktischen Lösungen ankämpfen musste.
Das Publikum zeigte sich begeistert, das Feedback war durchweg positiv. Ein großer Dank gilt allen Unterstützerinnen und Unterstützern in unterschiedlichster Form, die dieses Projekt möglich gemacht haben.
Letzter Kraftakt zum Abschluss
Nach der gelungenen Show war die Projektwoche jedoch noch nicht ganz beendet, vor allem für die Großen: Der Abbau des Zirkuszeltes war die letzte große Herausforderung. Unter klaren und routinierten Anweisungen von Zirkuschef Paul wurde der LKW nach und nach wieder beladen und die bis zu acht Meter hohen Masten kontrolliert abgelassen.
Erneut zeigten sich Verlass und Zusammenhalt: Auch für diesen letzten Kraftakt fand sich eine engagierte Gruppe, gemischt aus Mitarbeitenden, Angehörigen, Nachbarn aus Silz, welche mit viel Muskelkraft und Einsatz dafür sorgte, dass das Ende der Projektwoche ebenso erfolgreich gemeistert wurde wie ihr Beginn.
Ein unvergessliches Erlebnis
Am Ende blieb vor allem eines: stolze Kinder und Jugendliche, die sich wünschten, das Zirkusteam möge noch länger bleiben oder bald zurückkehren. Jeder konnte seine eigenen Stärken einbringen, glänzen und Applaus ernten – ein Erlebnis, das stärkt und nachwirkt.
Die Organisatorinnen Frey und Stengel sind sich einig: „Die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen sind Künstlerinnen und Künstler, das zeigten sie in der Manage, genauso wie im alltäglichen Leben.“
Katrin Stengel

